ELER-Projekt:
Erhaltung, Regeneration und Restitution von Stromtalwiesen im Biosphärenreservat Mittelelbe/Nord
(gefördert durch das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, Halle
Az: 407.3.-60128/630117000015)

Laufzeit:

01.07.2018 - 31.12.2021

Projektträger:
NABU-Kreisverband Stendal e.V., Bucher Querstrasse 22, 39590 Tangermünde / OT Buch
Projektverantwortlicher: Dr. Peter Neuhäuser
www.stromtalwiesen.info

Hintergrund
Mit Stromtalwiesen (FFH-LRT 6440) sind Auenwiesen mit natürlicher Überflutungsdynamik entlang der großen Flüsse in Deutschland gemeint. Brenndolden-Auenwiesen kommen in den Auen der großen Fluss- und Stromtäler vor. Schwerpunktmäßig sind sie an Oder, Elbe und im Rheintal zwischen Mainz und Karlsruhe verbreitet. Darüber hinaus gibt es Vorkommen z. B. auch am Main, Havel, Spree, Schwarzer Elster oder Neiße.
Es handelt es sich dabei um durch Hochwasser strukturierte Auenabschnitte. Die Böden sind humusreich und infolge regelmäßigen Schwebstoffabsatzes mehr oder weniger tonig. Nährstoffe können grundsätzlich durch den Boden gut gespeichert werden, andererseits kann es manchmal für die Pflanzen schwierig sein, an diese Nährstoffe zu kommen. Der hohe Tongehalt kann besonders im Sommer dazu führen, dass der Boden das Wasser nicht ausreichend abgibt. Dies und der Wechsel zwischen zeitweiser Überstauung (wenige Tage bis viele Wochen) bei Hochwasser und sommerlicher Austrocknung kennzeichnet diesen Lebensraum. Unvorhersehbare Hochwasserereignisse mit Abtragung bestehender Lebensräume und Neuschaffung an anderer Stelle ergänzend das Spektrum der Umweltbedingungen in diesem Lebensraum. Alles in allem ein Lebensraum, der sich oft ändern kann. Besonders im Frühjahr oder Frühsommer kann der Lebensraum periodisch überflutet werden, wobei die Überflutungsdauer auch einmal mehrere Wochen bis Monate dauern kann. Im Sommer trocknen die Flächen - als Kontrast dazu - stark aus.
Die durch regelmäßige Überflutungen geprägten, wechselfeuchten Grünlandgesellschaften der großen Stromauen (Verband Cnidion) gehören in ganz Mitteleuropa zu den am stärksten gefährdeten Biotoptypen. Wesentliche Gefährdungen für die Stromtalwiesen sind Veränderungen der Überflutungsverhältnisse, Aufgabe oder Intensivierung von Mahd oder Beweidung, Düngung, Aufforstung oder Umbruch. Auch Grünlandansaat oder eine Mahd zur Hauptblütezeit der vorkommenden Arten führen zur Beeinträchtigung der Bestände.
In den bzgl. Nährstoffreichtum begünstigten Auentälern findet man heute meist flächendeckend intensiv genutztes Grünland und die verbliebenen natürlichen Stromtalweisen sind deshalb oft isoliert und kleinflächig.

Charakteristisch für gut erhaltene Standorte ist das Vorkommen von sogenannten "Stromtalarten". Die charakteristischen Pflanzenarten der Stromtalwiesen sind in der Lage, die rauhen Bedingungen gut zu überstehen. Die nur mäßig stark genutzen oder nutzbaren Wiesen können dabei sehr artenreich sein. Neben der Brenndolde sind typische Pflanzenarten z.B. der Wiesensilau, die Wiesenschwertlilie, das Gottes-Gnadenkraut, der Kantiger Lauch, verschiedene Platterbsenarten, der Echte Haarstrang, die Färberscharte, oder in höher gelegenen Bereichen Wiesenknopf oder Kleines Veilchen. Viele dieser Stromtalarten sind heute auf kleinste Restflächen zurückgedrängt bzw. oft nur noch in linearen Kleinstrukturen, z. B. entlang von Gräben, Dämmen und Säumen, zu finden.
Die typischerweise vorkommende Brenndolde (Cnidium dubium) - ein weißer Doldenblütler, ähnlich einer blühenden Möhre - wird oft herangezogen um diesem Lebensraum seinen Namen zu geben ("Brenndolden-Auenwiesen"), obwohl diese Pflanze selbst nur noch sehr selten in Deutschland zu finden ist.

Der Lebensraum der Stromtalwiesen ist durch menschliche Nutzung entstanden und eine extensive Mahd (1 mal jährlich oder alle 2-3 Jahre) ist notwendig, wobei der Mahdtermin an die lokale Vegetationsentwicklung angepasst sein muss. Eine Düngung der Flächen sollte in jedem Fall unterbleiben.

Hauptanliegen des ELER-Projektes
Hauptanliegen des ELER-Projektes ist die Umsetzung von Renaturierungsverfahren zur effektiven Wiederausbreitung und nachhaltigen Sicherung von seltenen Arten und Pflanzengemeinschaften der Stromtalwiesen. Daneben sollen auch zielgerichtet einige Bestände der mageren Flachlandmähwiesen (FFH-LRT 6510) gefördert werden.
Im Projekt sollen vornehmlich Grünländer, und auch einige ehemalige Ackerflächen (ca. 20 ha), mit artenreichem Heu bzw.Saatgut/Samen von Spenderflächen geimpft und so zu artenreichen Grünländern der FFH-LRT 6440 und 6510 entwickelt werden. 

Zielarten sind vornehmlich Sibirische Schwertlilie, Brenndolde, Wiesensilau, Echter Haarstrang, Gottesgnadenkraut, Färberscharte, kleine Wiesenraute und Großer Wiesenknopf.

Für die Gewinnung von artenreichem Heu wird dafür geeignete Spezialtechnik angeschafft und eingesetzt. Außerdem wird eine gezielte Samen- und Früchtewerbung per Hand für die Ausbreitung seltener bestandsbedrohter Arten auf den Restitutionsflächen erfolgen, z. B. für Sibirische Schwertlilie und Echtem Haarstrang.

Das Projekt wird aufgrund der Vielzahl der einbezogenen Flächen über 3,5 Jahre laufen. Außerdem können so auch Ausfälle (z. B. durch Hochwasser, Trockenheit) kompensiert werden.

Aufgrund der aktuellen Vorkommen liegen die Spenderflächen hauptsächlich im NSG Bucher Brack/rechtselbisch. Die Empfängerflächen liegen sowohl rechtselbisch im LK-JL (Bucher Brack, Elbvorland Parchau), als auch linkselbisch im LK-SDL (Tangerwiesen, NSG Bölsdorfer Haken, u.a.). Mit der engen Nachbarschaft der Spender- und Empfängerflächen wird zugleich den Ökotypen und der Habitatangepaßtheit der Zielarten Rechnung getragen.

Mit dem Projekt soll auch die Bestandssituation einiger Schmetterlingsarten verbessert werden, indem die Futterpflanzen dann deutlich häufiger auftreten.
Konkret stehen die Futterpflanzen Großer Wiesenknopf und Echter Haarstrang im Focus, und bei den Schmetterlingen die Ameisenbläulinge und die Haarstrang-Wurzeleule (beides BArtSchV Anh I, FFH-Anhang II, IV). Bzgl. der letzteren Art gibt es derzeit in Sachsen-Anhalt nur 1 schwaches Vorkommen im Süden.
Es soll untersucht werden, ob ein weiteres Vorkommen der Haarstrangwurzeleule im LSA auf den höher gelegenen Bereichen der Elb- bzw. Tangerwiesen etabliert werden kann; in Verbindung mit der im Projekt zu implementierenden flächigen Verbreitung der Wirtsart, des Echten Haarstrangs. Für die extrem seltene Art hat Deutschland auch eine internationale Verantwortung.


Ferner wird im Projekt eine Partnerschaft mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft LHW Sachsen-Anhalt für die Elbdeiche angestrengt werden, damit der Haarstrang auch die Deiche besiedeln kann und so eine Vernetzung der Metapopulationen der Haarstrangwurzeleule ermöglicht würde.